In einem Atemzug

Wenn Menschen die Filme anschauen, die wir auf unseren Reisen machen, dann sehen sie dort oft nicht nur Schnorchler, die ruhig auf der Wasseroberfläche treiben und die Bewegungen der Delphine verfolgen, sondern auch Apnoetaucher, die senkrecht nach unten tauchen, nur mit ihrer eigenen Atemluft. Oft begleiten die neugierigen und verspielten Delphine sie oder umkreisen sie in Spiralen, wenn sie wieder nach oben zurückkehren. „Ach ist das toll, ich wünschte, dass könnte ich auch, aber das würde ich nie schaffen!“ höre ich ein ums andere Mal, ob zu Hause oder im Wasser. Deshalb hier ein paar Worte zum Apnoetauchen, zum Freitauchen, das jeder Mensch auf jeder unserer Reisen üben kann, auch wenn es manchmal ganz spezielle Freedivingwochen gibt, in denen wir uns besonders mit dem Freitauchen beschäftigen.

Emma Farrell, Freitaucherin und Ausbilderin, schreibt in ihrem wunderschönen Buch „One Breath- A Reflection On Freediving“: Ganz gleich, wie lang du deinen Atem anhältst oder wie tief du tauchst: Wenn du dich unter Wasser begibst und den Atem anhältst, dann bist du ein Freitaucher!

Das sehe ich auch so, denn es geht hier nicht um das Überschreiten von Grenzen und um jahrelanges Üben, sondern darum, so entspannt wie möglich unter Wasser zu sein, sich mit seinem Atem zu verbinden, ihm vertrauen zu lernen, die Ängste zu überwinden, die für uns alle mit dem Nicht-Atmen verbunden sind. Nicht die Lungenkapazität ist ausschlaggebend für die Tiefe des Tauchens, wie viele meinen, sondern die Fähigkeit tief zu entspannen und nichts mehr zu wollen! Alle Apnoetaucher, die ich kenne, machen Yoga, meditieren und wissen, wie sie sich zentrieren und eins werden mit ihrem Atem. Unsere Yogaübungen und Atemmediationen in unseren Begleitprogrammen dienen alle dazu, lebendig im Hier und Jetzt sein zu können, tief zu entspannen, alles loszulassen und sich mit dem eigenen Atem zu verbinden. Und das ist nicht nur für unsere Begegnung mit dem Ozean und seinen Bewohnern gut! Die Fähigkeit, tief entspannt und gleichzeitig hellwach und konzentriert zu sein, einen Ort inneren Friedens jederzeit in sich aufsuchen zu können, das unterstützt uns auch im Alltag, in den wir alle zurückkehren.

Natürlich gibt es auch ein paar technische Dinge zu lernen…das fängt schon an mit dem berühmten „duck dive“, mit dem man nach unten taucht und der soviel bedeutet wie „Köpfchen ins Wasser, Schwänzchen in die Höh“ und beim Üben am Radio Beach oft zu herzlichem Gelächter führt…Druckausgleich kann man gar nicht oft genug üben, damit einem beim Tauchen die Ohren nicht weh tun. Schnorchelausblasen lernt auch jeder schnell, wenn man es richtig erklärt bekommt. Meditative Atemübungen werden erst an Land geübt und dann aufs Wasser übertragen. Jeder Mensch bekommt genau die Unterstützung, die er braucht, vom völligen Anfänger, der erst mal lernen möchte, sich überhaupt dem Wasser anzuvertrauen, bis zum Fortgeschrittenen. Natürlich kann man all diese Dinge auch direkt üben, wenn wir auf der INDIGO sind, aber wenn ihr noch nie geschnorchelt habt oder wenn ihr lernen möchtet, frei zu tauchen, dann habt ihr natürlich sehr viel mehr vom Bootsaufenthalt und den Delphinbegegnungen, wenn ihr ein paar Tage vorher auf der Insel seid und mit uns üben könnt.

„Beim Freitauchen geht es nicht um Tiefe, es geht darum, das Meer zu erleben“ Rob Talbot

„Der Atem allein ist das Werkzeug, das Körper und Geist zusammenbringen kann. Er erleuchtet beide und bringt Frieden und Ruhe.“ Thich Nhat Hanh

„Für mich ist das Meer das Leben an sich. Wenn ich runtertauche, versuche ich nicht, ein Delphin zu sein oder ein Fisch. Nein, ich versuche Wasser zu sein.“ Umberto Pelizzari

„Wenn du deinen Atem hältst, dann hältst du deine Seele.“ B.K.S. Iyengar

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